Chronik

Die Idee, einen Fanfarenzug zu gründen, stammte ursprünglich  aus der Feder von Mathias Schieber, damals Mitglied des Schlossfestkomitees und Vorsitzender des Historischen Vereins Neuburg, und unserem späteren Leiter, Jürgen Dorwarth. Ursprünglich benötigte Mathias Schieber lediglich einige Fanfarenbläser anlässlich des bevorstehenden Krönungsballes der Burgfunken, dessen Faschingsprinz er war. Fanfaren waren bereits vorhanden, denn zwischen 1961 und 1964 gab es in Neuburg bereits einen Fanfarenzug. Jürgen Dorwarth war dort stellvertretender musikalischer Leiter gewesen.

Am 08. Februar 1977 trafen sich die ersten vier Trommler und acht Bläser in einem Werksgebäude der damals noch hier ansässigen Firma Grundig. Bereits am 19. Mai 1977 folgte mit dem Fischergassler-Fest der erste Auftritt. Seither sind wir dort fester Programmbestandteil. Die Kostüme, sie bestanden aus Barrett, Wams, Hemd und Strumpfhosen, haben mit der heutigen Landsknechtstracht nicht mehr viel gemein.

Weitere kleinere Auftritte in und um Neuburg folgten im selben Jahr. Darunter war auch das zweite Neuburger Schlossfest.

BurgwehrIm darauffolgenden Jahr stellte uns die Stadt Neuburg mit der Burgwehr einen eigenen Probenort und damit auch eine Art festes Zuhause zur Verfügung. Die Burgwehr, ehemals eine Kanonenbastion der Neuburger Stadtbefestigung, später zum Kurheim umgebaut und in den 70er-Jahren schließlich als Jugendzentrum genutzt, mussten wir zunächst, um sie überhaupt nutzen zu können, in mühe- und liebevoller Eigenarbeit renovieren und umbauen. Nach Abschluss der zeitintensiven Arbeiten standen uns erstmals Räume zur Verfügung die einen geordneten Probenbetrieb und ein Vereinsleben ermöglichten. Auch die Neuburger Jagdhornbläser erhielten durch die Zuteilung eines Raumes in der Burgwehr eine Bleibe und Probenmöglichkeit. Da es aber im Winter 78/79 noch keine Heizmöglichkeiten in der Burgwehr gab, mussten die Proben in die Parkschule verlegt werden, wo sie dank guter Zusammenarbeit mit der Schulleitung, auch heute noch, vor allem in den Sommermonaten, immer wieder statt finden.

Die Gruppe war zwischenzeitlich auf 25 Mitglieder gewachsen. Zu den Bläsern und Trommlern kam der erste Fahnenschwinger, Michael Schäffner. Die von ihm geschwungene rostbraune Baumwollfahne, mit dem goldenen bayerischen Löwen als Motiv, war bis etwa 1994 im Dienst und ist noch heute in unserem neuen Domizil, dem Fürstengang, als Schmuckstück der ersten Tage ausgehängt.

Mit der Einführung verschiedenfarbiger Strümpfe, also den heute noch getragenen Farben, änderte sich 1982 das Erscheinungsbild des Zuges erneut. Die Strümpfe waren ein Resultat aus der vorangegangenen Weigerung der Mitglieder, insbesondere der Männer, weiterhin Strumpfhosen zu tragen. Aus diesem Grund ließ der damalige Verkehrsvereinsvorsitzende Fritz Seebauer Landsknechtskostüme nach historisch überlieferten Schnittmustern anfertigen. Diese Kostüme waren den heutigen, vom vereinseigenen Schneider  angefertigten, bereits sehr ähnlich. Sie waren ebenfalls bunt und bestanden aus Barett, Wams, Hemd und Kniehose. Das uns eigene, in Deutschland einzigartige, Aussehen war geboren. Die Farben der Strümpfe repräsentieren seither die Gruppen. So trägt der Fahnenschwinger noch heute schwarze, der Trommler rot/grüne und der Bläser gelb/schwarze Strümpfe.

Da wir nie einem Verband angehört haben, war Kreativität stets nicht nur Tugend sondern Notwendigkeit. So arrangierte Werner Kreitmeier mehrstimmige Trommelsoli wie den Drummers Call und den Crazy Sticks. Bis heute zeichnen sich unsere musikalischen Leiter und Gruppenleiter durch gelungene Eigenkompositionen und -kreationen aus und erhalten und erneuern so immer wieder unsere Individualität und Einzigartigkeit auch im musikalischen Bereich.

Grünauer SchlossIm Jahr 1991 trat der bis dahin amtierende Zugführer Jürgen Dorwarth von seinem Amt zurück und übergab die Gesamtleitung an seinen Nachfolger Friedhelm Lahn und die musikalische Leitung an Martin Uttich.

Der Zug war bis zu diesem Zeitpunkt auf eine Stärke von 60 aktiven Mitgliedern angewachsen.

Im gleichen Jahr gab es für die Fahnenschwinger vier neue von Hand gemachte Wurffahnen mit den Wappen der Kurpfalz Neuburg und Heidelberg. Die Neuburger Künstlerin Irene Schleer ist bis heute die Mutter all unserer Fahnen.

1994, nach drei Jahren intensiver Übung, errangen die Fahnenschwinger mit diesen Fahnen unter der Leitung von Herbert Weidner bei den 8. Deutschen Meisterschaften im Synchronschwingen einen hervorragenden 3. Platz. Seither hat die Fahnenschwingergruppe des Zuges ihr Können durch intensives Training und innovative Ausbildung verfeinert und weiter ausgebaut.

1999 trat Martin Uttich aus persönlichen Gründen von seinem Amt als Fanfarenzugleiter zurück. Thomas Kreitmeier und Rainer Bartsch übernahmen gemeinsam die musikalische Leitung des Zuges, 1. Vorsitzende wurde Monika Kreitmeier. Zusammen mit Markus Gusta, der bereits unter der Leitung von Jürgen Dorwarth das Amt des Geschäftsführers ausübte, leiteten sie die Geschicke des Zuges bis 2007.

Ende 1999 erhielten wir nach langem Ringen von der Stadt Neuburg die ehemaligen Werkstatträume der Amalienschule als neues Vereinsheim. Aber auch hier bedurfte es wieder erheblicher Umbau- und Renovierungsarbeiten. Bis zum Einzug im Jahr darauf wurden beim Umbau der Räume, dem Einbau der Küche, der Heizung und der Toilettenanlagen viele Tausend Arbeitsstunden geleistet. Ohne unsere Handwerksmeister Rainer und Tom und die schier unermüdliche freiwillige Arbeit unserer Mitglieder hätten wir diese Räume kaum zu dem machen können, was sie heute sind, unser Zuhause.

In den folgenden Jahren bewältigten wir weitere Auftritte im In- und Ausland. Darunter die waren die Bundesgartenschau in München, Auftritte in Neuchâtel (Schweiz) und Etterbeek (Brüssel, Belgien) um nur drei unserer Höhepunkte dieses Jahres zu nennen.

2007 feierten wir, nun unter alleiniger musikalischer Leitung von Rainer Bartsch und dem neu gewählten 1. Vorsitzenden Michael Bachhofer und dessen Stellvertreter Jürgen Bachhofer, unser 30-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass wurde im Oktober unser Vereinsheim und damit auch der Amalienhof für einen Abend zur historischen Kulisse unseres Jahrestages. Mit Festreden des Oberbürgermeisters der Stadt Neuburg an der Donau, Dr. Bernhard Gmehling, sowie dem 1. Vorsitzenden des Verkehrsvereines „Freunde der Stadt Neuburg e. V.“, Friedhelm Lahn, wurde ein schönes Jubiläum begangen. Freunde und ehemalige Mitglieder kamen von Nah und Fern, um mit uns zu feiern.

Bei den Wahlen der Vorstandschaft 2013, übernahm Frau Monika Bachhofer, als Nachfolgerin die Leitung des Fanfarenzug Ottheinrich.

2016, also 39 Jahre nach Gründung des Zuges als Bestandteil des Verkehrsvereins „Freunde der Stadt Neuburg e. V.“, besteht der Fanfarenzug Ottheinrich aus 71 aktiven, sowie mehr als 50 passiven und fördernden Mitgliedern.

Der Fanfarenzug Ottheinrich meisterte in den Jahren seit seiner Gründung viele Auftritte und repräsentierte seine schöne Heimatstadt im In- und Ausland. Einen Überblick über bisher geleisteten Auftritte gibt es in der Rubrik „Auftritts-Historie“.

Diese Chronik ist längst nicht abschließend und umfasst nur einen Bruchteil der Ereignisse einer bald 40-jährigen Vereins-geschichte. Sie soll dem Leser einen Einblick in die Geschichte des Fanfarenzug Ottheinrich gewähren und zeigen, dass Brauchtumspflege und Vereinskameradschaft auch heute noch Bestand haben.

Bachhofer Jürgen

Geschäftsführer von 2007 – 2016

veröffentlicht am
5. Juli 2016